Bericht der Podiumsdiskussion: Die Künste & Informatik – Herausforderung an die Schule der Gegenwart am 26.09.2024

 

von Constantin Müller

Das Pflichtfach Informatik wird im kommenden Schuljahr eingeführt, und die dafür benötigten Stunden werden zum Teil den ästhetischen Fächern entnommen. Ende September initiierten die Fachverbände der Künste zu diesem strittigen Thema eine Podiumsdiskussion in den Deichtorhallen.

Auf dem Podium saßen Rainer Köker für die Schulbehörde, Torsten Otto für das Fach Informatik, Nina Rippel als Kunstvertreterin, Bernd Ruffer vom Fachverband Theater, Jasmin Böschen als Promovendin und Handyfilmexpertin und ich, Constantin Müller, als Vertreter des BMU. Moderiert wurde die Diskussion von Lili Hartwig.

 

Die Reihen des Auditoriums waren zu Beginn der Veranstaltung gut gefüllt und ließen erahnen, dass das Thema in der Hamburger Schullandschaft ein großes Mitteilungsbedürfnis erzeugt. In der anfänglichen Vorstellungsrunde ging es dann schnell zu konkreten Forderungen und kritischen Aussagen: Mehrfach wurde die Notwendigkeit der Kombination aus Informatik und Ästhetik anhand unterschiedlicher Beispiele hervorgehoben. Musikspezifisch habe ich moniert, dass die für unser Fach so wichtige Kontinuität durch die Reduktion der Stunden gebrochen wird und dies weitreichende Konsequenzen wie rückläufige Anwahlen des Musikprofils haben kann.

Rainer Köker vermittelte uns auf inhaltlicher Ebene einen großen Zuspruch und betonte, dass auch in der Konzeption des Informatik-Bildungsplans Symbiosen und projektartiges Lernen mitgedacht wurden. Aufgrund mangelnder Qualifikation der Lehrkräfte sei es aber nicht möglich, die informatischen Inhalte in die anderen Fächer zu integrieren. Inwiefern Informatik in Kooperation mit den anderen Fachbereichen funktioniert, werde zurzeit in den Pilotschulen und in der Anfangsphase im nächsten Schuljahr evaluiert. Die Entscheidung, Stunden für Informatik aus den angesprochenen Stundenkontingenten zu nehmen, sei in verschiedenen Arbeitsgruppen und in Absprache mit Schulleitungen gefallen. Dass Schüler:innen mit zweiter bzw. dritter Fremdsprache nun nur noch sechs statt acht ästhetische Wahlpflichtstunden haben, sei laut Köker „unterschiedlich zu beurteilen“. In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass Hamburg im Vergleich zu anderen Ländern ein hohes ästhetisches Stundenkontingent habe.

Im weiteren Verlauf wurden die jeweiligen Standpunkte konkretisiert, Nina Rippel brachte etwa immer wieder eine „Qualitätsoffensive“ zur Sprache, die ästhetischen und Informatikunterricht zusammendenkt und für die Ressourcen zur Verfügung gestellt werden sollte.

 

Zum Ende der Veranstaltung äußerten sich noch einige Zuhörer:innen aus dem Publikum, die größtenteils Positionen der Künste vertraten, aber auch weitere informatische Perspektiven einbrachten. Für genauere Einblicke lohnt sich das Nachhören der Audioaufzeichnung.

 

Insgesamt war mein Eindruck, dass unsere Kritik an der Kürzung der ästhetischen Stunden in der Behörde und in der Öffentlichkeit angekommen ist. Die vielen guten Ideen zur Vernetzung von Informatik und den Künsten verpuffen hoffentlich nicht, sondern initiieren Vernetzungen und Weiterentwicklungen der Fachbereiche. Und vielleicht traut sich die Behörde bei der nächsten Stundentafeländerungen nicht mehr ganz so leichtfertig an die ästhetischen Fächer.

 

Hier können Sie den Audiomittschnitt der Diskussion hören. Einen Verlauf sehen Sie im Bild unten oder als PDF HIER herunterladen.